Mittwoch, 24. Juli 2024
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Wista-Zukunftsort: „Krötenpolitisches Desaster“ für den Cleantech-Business-Park

Krötenpolitisches Desaster in Berlin

Von Dipl.-Ing. Michael Springer

Der Cleantech-Businesspark in Marzahn ist derzeit das größte Sorgenkind unter den elf Berliner Zukunftsorten. Der tierische Grund: trotz Naturschutzmanagement und Krötenzaun sind auf einem fast baureifen Gelände mindestens 200 Jungtiere der streng geschützten Wechselkröte (Bufotes viridis) vorgefunden worden.
Erst Anfang der Woche waren es mindestens 140 Exemplare, die von Vertretern des Marzahner Bezirksamts für Umwelt- und Naturschutz auf dem Areal entdeckt werden konnten.

Die auf Zukunft und High-Tech ausgerichtete WISTA Management GmbH macht dabei als Standortentwickler und -Vermarkter keine glückliche Figur. — Die für Berlin außergewöhnliche Neugründung und Investition eines AUCOTEAM-Testzentrums für Batterien und elektrische Komponenten mit geschätzten Baukosten von 18 Mio. Euro ist vorerst geplatzt. Das technologische Zeitfenster für die Inbetriebnahme des Testzentrums wird womöglich sogar verpasst, denn es gibt Branchenkonkurrenz.
Die erfolgreiche Entwicklung des in Prenzlauer Berg angesiedelten Unternehmens steht auf dem Spiel.

„Krötenpolitisches Desaster“ von langer Hand vorbereitet

Das „Krötenpolitisches Desaster“ ist nicht allein der WISTA Management GmbH und ihrem Management-Team und ihrem Projektleiter Becker anzulasten. Es handelt sich um ein stadtentwicklungspolitisches „tiefes Strukturproblem“ Berlins, das von langer Hand, und vor allem von „ehrenamtlichen Händen“ vorbereitet wurde.
Erst Ende Mai 2024 hatte der Ex-Verwaltungsrichter Klaus-Martin Groth in einem Gastbeitrag auf eine „Bedenkliche Nähe der Berliner Behörden zu den Umweltverbänden“ ( 30.05.3034 | Berliner Zeitung ) hingewiesen.
Die Ironie der Geschichte erschließt sich dabei erst, wenn man in die Biografie des Autors hineinschaut: Klaus-Martin Groth ist seit 2012 Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin, entsandt von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Berlin. Von 1989 bis 1991 war Groth auch Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz unter dem Regierenden Bürgermeister Walter Momper (SPD). Groth hat damit entscheidend zur Politik des ehrenamtlichen Naturschutz und zum Gewicht der verbandsklageberechtigten Naturschutzverbände in Berlin beigetragen, die sich oft in Personalunion als Angestellte und ehrenamtliche Gutachter von Berliner Behörden tätig sind bzw. waren.
Die öffentliche Hand konnte durch das Ehrenamt im Naturschutz sparen.

Allerdings hatte das einen Preis für Berlin: es konnte keine aktive Landschafts- und Standortentwicklung betrieben werden, die etwa proaktiv Landschaftsarchitekten und Landschaftspfleger mit der Umsiedlung und Pflege von Flächen für ein gewünschtes Populationsmanagement vorbereitet. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hatte so auch kein proaktiv einsetzbares Bezirks-Budget, um den Cleantech Business Park in eigener Regie und Wirtschaftsförderung mit beauftragten Planungsbüros auf Kurs zu bringen. — Erst die Vergabe des Marketings an die WISTA Management GmbH sollte die Wende bringen, doch es ging schief.

Der Krötenschutzzäune wurden so zum miserablen Standard, mit dem in Berlin Naturschutzbehörden, ehrenamtliche Naturschutzvereine und Standortentwickler den Amphibienschutz managten.

Wechselkröten können sogar einfliegen!

In der WISTA Management GmbH wollte man es nicht glauben, eigentlich war doch alles für die Umsiedlung der Wechselkröten getan. Doch Bufotes viridis erweist sich als frisch, munter, jugendlich und rüstig und vermehrt sich zahlreich.
Als ausgesprochene Pionierart kann die Art spontan neu entstandene Lebensräume annehmen. Wenig bewachsene, voll besonnte, flache und fischfreie Gewässer werden bevorzugt. Wechselkröten verstecken sich dabei, auch in Mäusegängen und kleinen Spalten unter Steinen.

Im Artenschutzsteckbrief des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) heißt es: „Der Laich wird in Schnüren mit 5.000 bis 10.000 Eiern abgelegt. Je nach Wassertemperatur schlüpfen 3 bis 6 Tage nach Eiablage die Larven. In Abhängigkeit von den Standortfaktoren (Temperatur, Konkurrenz, Nahrungsangebot) erfolgt die Umwandlung der Larve zur Kröte meist nach 2 bis 3 Monaten.“
Die Eier und Larven können dabei auch geübten Augen bei Kartierungen entgehen. Auch ein Weg durch die Lüfte ist möglich: der Laich bleibt auch im Gefieder von Wasservögeln hängen, und kann in auf Baustellen üblichen Pfützen neue Populationen begründen.

Cleantech-Business-Park benötigt neue Strategie mit der Natur!

Für das Projektmanagement der WISTA Management GmbH ist das möglicherweise überraschend, aber in jedem Fall peinlich! — Dazu kommt eine nicht beantwortete Presseanfrage und eine minutenlang offene Telefonleitung, in der Interna für die Presse und den „dauerbeobachtenden Lokalredakteur“ mithörbar waren.
In jedem Fall wird nun eine andere „proaktive Budgetplanung“ nötig, die genehmigungsfreie und dazu „grundsteinfertige Bauparzellen“ an Zukunftsorten vermarktet.

„We get ideas done! – die WISTA Management GmbH und der Bezirk Marzahn-Hellersdorf benötigen einen neuen Anlauf! — Weitere „krötenpolitische Desaster“ können übrigens durch eine rechtzeitige und proaktive Beauftragung von professionellen Gutachtern, Freien Landschaftsarchitekten, „Schwammstadt-Planern“ und Landschaftspflege-Unternehmen vermieden werden! — Besonders in einem „Cleantech-Business-Park“ muss das in Berlin zum Standard werden! Bei über 90 Hektar Fläche muss es keine Artenschutzkonflikte geben!


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