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Marzahn-Hellersdorf braucht dringend Schwimmbadflächen

Fast 60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer – so eine forsa-Umfrage aus dem Jahr von 2017.
Die DLRG wies im Frühjahr 2019 darauf hin, dass jede vierte Grundschule in Deutschland keinen Zugang mehr zu einem Schwimmbad hat. Auch die 270.000-Einwohner-Großstadt Marzahn-Hellersdorf hat als einziger Berliner Bezirk kein Freibad und kein ausreichenden Kapazitäten um Schulschwimmen und Schwimmsport sicher zu stellen.

Dabei gilt: „Sport ist ein förderungs- und schützenswerter Teil des Lebens. Die Teilnahme am Sport ist den Angehörigen aller Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen;“ so steht es in Artikel 32 der Berliner Landesverfassung.

Auch beim Goldenen Plan Ost 1992 wurde Marzahn-Hellersdorf offenbar übersehen, das 15-Jahres-Programm für die neuen Bundesländer vom DSB verabschiedet und leider nicht konsequent umgesetzt, obwohl Fördermittel eingesetzt waren.

Nun war der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Dienstag in Marzahn-Hellersdorf zu Besuch und hatte nur vertröstende Worte im Gepäck: „Vor Mitte des nächsten Jahrzehnts wird das nichts“, sagte Müller dem Tagesspiegel zu einer möglichen Eröffnung eines Bades.

Öffentliche Bäder sind kommunale Daseinsvorsorge

Finanz- und Haushaltspolitiker schieben das Thema Schwimmbad gern in den Bereich freiwilliger kommunaler Aufgaben. Doch Sport und Gesundheit und Schmwimmfähigkeit der Kinder sind praktisch Pflichtaufgaben, wenn man Verfassungsgebote allesamt ernst nimmt. Der Bundesfachverband Öffentliche Bäder e.V. hat auch den öffentlichen Wert von Schwimmbäderm hervorgehoben und deren Beitrag zum Gemeinwohl (Public Value) deutlich gemacht. Städte und Stadtteile profitieren von öffentlichen Schwimmbäderm und steigern ihre Standortattraktvität. Nicht zu letzt dienen Schwimmbäder generationenübergreifend der Gesundheitsvorsorge und gleichen den Bewegungsmangel in der „Hauptstadt der sitzenden Arbeit“ aus.

Rettet die Bäder!

„Staatsversagen auf höchstem Niveau“ angesichts von 537 ertrunkenen Menschen im vergangenen Jahr (2016) in Deutschland beklagte Jan Korte (Die Linke) am Mittwoch, 21. Juni 2017, in einer „Aktuellen Stunde“ zu Auswirkungen von Privatisierungen und Schwimmbadschließungen im Deutschen Bundestag. Korte meinte auch, ob jemand schwimmen könne, sei eine soziale Frage, wie etwa in Hamburg der Vergleich der Nichtschwimmerzahlen in Bezirken mit einkommensschwacher Bevölkerung und Vierteln „auf der Sonnenseite“ zeige.

Indirekt zeigt er damit auch auf Marzahn-Hellersdorf, das im Berlin-Vergleich schlecht da steht und eine besondere Dringlichkeit beanspruchen kann.

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) macht auch Druck. Sie hat im Frühjahr 2019 zu einer Petition „Rettet die Bäder!“ aufgerufen:

„In den vergangenen 17 Jahren sind durchschnittlich jährlich 80 Schwimmbäder geschlossen worden. Dieses schleichende Bädersterben muss endlich beendet werden! Um dieser Forderung mehr Nachdruck und Gewicht zu verleihen, hat die DLRG eine Online-Petition ins Leben gerufen. Rund 120.000 Unterschriften sind so zusammengekommen. Am 25. September 2019 werden wir die Petition offiziell an den Deutschen Bundestag überreichen.“

Die Politik steht nun nicht nur in Marzahn-Hellersdorf und in Berlin, sondern auch bundesweit unter Druck, die Lebensqualität, Gemeinwohl und Daseinsvorsorge besser zu sichern. In 86 Planungsregionen und Großstädten wachsen die Einwohnerzahlen. Der Bedarf nach Schwimmbädern und Freibädern steigt. Auch Überhitzung der Innenstädte und der Klimawandel liefern gewichtige neue Gründe, um neue Bäder zu bauen.
Städte wie Hamburg zeigen auch: man kann vorbildliche Bäder auch ohne zeitraubende Machbarkeits-Studien bauen, indem man mutig Architektenaufträge vergibt und auf Baukunst statt Verwaltungs-Mikado setzt.

Inselpark-Schwimmhalle in Hamburg
Inselpark-Schwimmhalle in Hamburg-Wilhelmsburg. Kombibad mit Falttor. Prämiert mit dem 1. Preis Public Value Award 2016 – Foto: Meike Hansen, archimage, Hamburg/Lühn Bau
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