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19 Pappeln sollen gefällt werden

Schwarz-Pappel (Populus nigra)

In einer Pressemitteilung vom 04.11.2020 wurde angekündigt, im Winterhalbjahr 2020/2021 insgesamt 19 Pappeln zu fällen. Die Stand- und Bruchsicherheit kann offenbar nicht mehr garantiert werden.
Die hohen, landschaftsprägenden Bäume sollen an diesen Standorten gefällt werden:

  • Murtzaner Ring, Höhe HNR10
  • Buckower Ring75
  • Buckower Ring 1-7
  • Märkische Allee 74

Die legalen Gründe sind nachvollziehbar: es gibt eine extreme Windbrüchigkeit, dazu massive Wurzelhubschäden an den stark überalterten Pappelbeständen im Straßenland.
Der Fachbereich Grün ist zum Handeln und zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit rechtlich verpflichtet.
Die jeweiligen Baumstandorte werden danach geprüft und bei einer Eignung wird eine Nachpflanzung erfolgen, heißt es in der Pressemeldung.

Blatt und Blütenstände der Schwarzpappel mit Samen- und Fruchtwandfasern – Foto: Pixabay
Blatt und Blütenstände der Schwarzpappel mit Samen- und Fruchtwandfasern – Foto: Pixabay

Pappeln – eine bedrohte Baumart

Die Schwarz-Pappel (Populus nigra), auch Saarbaum genannt, erreicht unter günstigen Standortbedingungen Wuchshöhen von bis zu 30 Metern. Ältere Schwarz-Pappeln haben einen mächtigem, knorrigem Wuchs, mit Stammdurchmessern von über 2 Metern. Schwarzpappeln sind wichtige landschaftsprägende Bäume, die 100 bis 150 Jahre alt werden können. Schwarzpappeln sind auch für Bienen bedeutsam: Von ihren Knospen geht ein süßlicher Geruch aus, der von einem klebrigen Harz aus Zellulose und Pektin stammt, das von Bienen gesammelt wird, um daraus das Bienenharz (Propolis) herzustellen.
Die Schwarzpappel ist in Deutschland aber sehr selten geworden und steht auf der Roten Liste als gefährdete Pflanzenart.

Der Grund: die höhere Wuchsleistung der Kanadischen Schwarz-Pappeln (Populus deltoides) und Bastard-Schwarz-Pappeln (Populus ×canadensis), die aus Kreuzungen der amerikanischen mit der einheimischen Schwarz-Pappel hervorgegangen sind, überwiegen in der Landschaft.
Diese Hybriden mit 14 Sorten wurden seit dem 17. Jahrhundert aus ökonomischen Gründen angepflanzt. Der Zuwachs an Holzmasse und die Qualität des Stammholzes sind wegen des geraden Wuchs günstiger, als bei der seltenen heimischen Schwarz-Pappel.

Will man die seltene Schwarzpappel förden, so ist heute eine Vermehrung aus natürlicher, standortnaher Herkunft sinnvoll. Dazu wird sogenannte „Wurzelbrut“ von botanisch eindeutig bestimmten Altbäumen entnommen. Das sind junge Triebe, die aus dem Wurzelstock ausschlagen.

Die Schwarz-Pappel war übrigens im Jahr 2016 „Baum des Jahres“ und wird in der Zielartenliste der „Konzeption zum Florenschutz im Land Berlin“ als Art mit sehr hoher Schutzpriorität gelistet.