Glosse Michael Springer
Am 22. Juli 2026 wurden die symbolischen „Spatenstich-Selfies“ zum Baubeginn der Holz-Compartmentschule am zukünftigen „Schul-Campus Auerbacher Ring“ in Hellersdorf veröffentlicht.
Die gezeigten Personen haben zum Teil den Baustellenbereich ohne Arbeitssicherheitsschuhe betreten.
Die Fotos wurden ohne Bildunterschriften veröffentlicht. In alphabetischer Reihenfolge waren folgende Personen erkennbar vertreten:
Stefan Bley, Bezirksstadtrat für Schule, Sport, Weiterbildung, Kultur und Facility Management,
Andreas Krawczyk, Architekt,
Dr. Torsten Kühne, Staatssekretär für Schulbau und Schuldigitalisierung
Alexander Slotty, Staatssekretär für Bauen.
Eine im Bild gezeigte fünfte Person wurde nicht namentlich genannt.
Das dritte Bild zeigt eine „Erinnerungs-Stätte“ mit vier Spaten und aufgesetzten Bauhelmen. Da auch hier die erläuternde Bildunterschrift fehlt, entsteht die Vermutung, die Akteure sind in dem ungesicherten Drainagerohr verunglückt und entschwunden.
Die bautechnischen Daten sind der Pressemitteilung vom 22.07.2026 zu entnehmen.
Schulbauoffensive und Lokaljournalismus:
Fehlende Tarifdeckung des Landes Berlin ab 1.8.2026
Die „Tarifbroschüre Redakteurinnen und Redakteure sowie Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen mit Entgeltbeträgen gültig vom Februar 2026 bis mindestens Januar 2027“ gibt die Tarife für Journalisten in Berlin wieder — ist aber noch nicht allgemeinverbindlich übernommen. Aufgrund von Fehlsteuerungen der am Schulbau beteiligten Senatsverwaltungen ist eine marktwirtschaftlich gestörte Situation entstanden, in der die wirtschaftliche Grundlagen für journalistische Tätigkeit nicht gedeckt sind.
Die ursprünglich mit rund 5,5 Milliarden Euro veranschlagte Berliner Schulbauoffensive (BSO) hat sich durch Planungs-, Bau- und Kostensteigerungen drastisch erhöht, wobei je nachgerechneter Prognose und Einbezug von Folge- sowie Energiestandards Gesamtsummen von 9,6 Milliarden bis zu 15 Milliarden Euro im Raum stehen. Bisher wurden bereits mehr als 4,6 Milliarden Euro investiert.
Dem stehen in Berlin bei allen erscheinenden Pressemedien keine adäquaten Anzeigenschaltungen gegenüber, die eine angemessene Berichterstattung über das städtebaulich und architektonisch relevante Bauvolumen ermöglichen. Die Senatsverwaltungen setzen deshalb „Spatenstich-Selfies“, „Richtfest-Selfies“ und „Politiker-Selfies“ an Stelle eines unabhängig finanzierten Journalismus mit freien Pressefotografen.
Im Ergebnis ist der Schulbausektor medienwirtschaftlich von der freien und unabhängigen Berliner Medienwirtschaft entkoppelt.
